Die Stimme – unser persönlichstes Ausdrucksmittel

Was das Erfinden von schönen Melodien angeht, ist die Amsel eine wahre Meisterin. Ich liebe ihren Gesang. So viel verschwenderische Freude!
Uns Menschen fällt das Singen oft nicht so leicht.
Denn spätestens seit dem Schulchor, in dem einem vielleicht gesagt wurde, man solle sich lieber zurückhalten, weil man „es“ nicht wirklich könne, sitzt so manchem die Angst vor falschen Tönen im Nacken.
Aber auch im Erwachsenenleben wird uns das Singen oft vermiest.
Ich hatte eine Gesangsschülerin, die bereits in ihren 60ern war und mir in der ersten Stunde erzählt hat: „Mein Mann hat immer zu mir gesagt Du krächzt wie ein Rabe……… Jetzt bin ich geschieden. Und jetzt will ich singen.“

Du singst für dein Herz

Leistung und Erfolg, beides hat einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft.
Deshalb kommen wir oft gar nicht auf die Idee, etwas einfach nur aus Spaß zu tun.

So kommt es, dass manche Menschen mit dem Singen einfach aufhören. Das finde ich sehr, sehr schade. Denn die Singstimme ermöglicht uns eine völlig andere Art des Ausdrucks als unsere Sprechstimme. Gleichzeitig ist sie aber mit der Sprechstimme untrennbar verbunden. Wer seine Singstimme befreit, wird auch einen neuen Zugang zum Sprechen finden.

Singen, Klingen, Tönen, Juchzen, Schnarren…..so viele stimmliche Möglichkeiten

Singen ist Klang…..Klang ist Schwingung. Über unsere Singstimme können wir uns im wahrsten Sinn des Wortes in gute Schwigung bringen.

Wenn du möchtest, probiere es aus. Singe und töne mit mir gemeinsam. Schnapp dir eine Rassel oder irgendetwas, mit dem du Rhythmus erzeugen kannst. Denk nicht lange nach, sei einfach kreativ. Viel Spaß : )

Authentische Sprechstimme

Unsere Stimme ist untrennbar mit unserem Atem verbunden. Und unser Atem untrennbar mit dem Leben, das wir führen.
Ein Mensch, der täglich innere Gelassenheit übt, klingt ganz anders als jemand, der von Termin zu Termin hetzt.

Aber nicht nur unser Tempo wirkt sich auf Atem & Stimme aus. Auch das Bild, das wir von uns selbst in dieser Gesellschaft haben, färbt unseren Stimmklang.
Manche Frauen sprechen höher, als es ihrer Stimmlage entspricht. Sie haben irgendwann gelernt, dass Mädchen lieb und nicht zu vorlaut sein sollten. Männer dagegen benutzen manchmal einen sonoren Klang, der Wissen und Überlegenheit vermitteln soll.
Zugegeben, das sind Klischees. Dazwischen gibt es viele Varianten und Beispiele dafür, wie unser Rollenverhalten unsere Sprechstimme prägt.

Lachen macht frei

Vielleicht ist es dir schon aufgefallen: wenn man längere Zeit sehr herzlich aus dem Bauch heraus lacht, klingt die Stimme danach freier. Das hat viel mit der Zwerchfell-Bewegung zu tun. Beim Lachen wird das Zwerchfell in eine elastische Schwingung versetzt. Dadurch fließt die Energie im Körper wieder besser, der Kopf- und Schulterbereich entspannt sich. Wer Tränen lacht, lässt sich quasi selbst los. Das Rollenspiel hört auf. Die Stimme muss nichts mehr vortäuschen. Das ist meiner Meinung nach der Grund, warum es sehr viele Situationen gibt, in denen herzliches Lachen nicht erwünscht ist. Es wird von uns erwartet, dass wir die uns zugedachte Rolle spielen.
Wer sich davon befreit, führt ein Leben, das von Kreativität, Freude und Leichtigkeit getragen ist. Ein Leben, in dem gelacht, gesungen und aus dem Bauch heraus gesprochen werden darf.